Spieglein, Spieglein…

Ein Artikel über schädliche Inhaltsstoffe in Schönheitsprodukten ließ mich meinen Badezimmerschrank  im April 2014 kritisch auseinandernehmen und war letzten Endes der Anstoß für meinen neuen Lebenswandel.

Ich erinnere mich, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt eine nicht unerhebliche Menge an Cremes, dekorativem Make Up, Düften etc angehäuft hatte und diese auch gerne benutzte. Mehr noch, ich war so gewohnt sie zu benutzen, dass ich mich eigentlich nur mit diesen Produkten als wirklich schön empfand. Da hatte die jeweilige Werbung ganze Arbeit geleistet. Überraschenderweise fiel es mir trotzdem nicht allzu schwer, mich von den Produkten zu trennen, da meine Skepsis den Inhaltsstoffen gegenüber klar überwog. Ich hatte und habe definitiv nicht das Bedürfnis, mir Dinge auf die Haut zu schmieren, die Allergien oder Schlimmeres auslösen und/oder zusätzlich über das Abwasser oder im Herstellungsprozess Schäden in der Umwelt anrichten. Die Liste der vermeintlichen Bösewichte ist lang und natürlich kann man sich nicht über jede einzelne Zusammensetzung informieren. Glücklicherweise gibt es in Deutschland die sehr nützliche App „Codecheck“. Einmal auf das Smartphone geladen, lässt sich jeder Barcode kinderleicht scannen, um die Inhaltsstoffe und Empfehlungen übersichtlich entschlüsselt angezeigt zu bekommen. Dies gilt nicht nur für Pflegeprodukte, denn auch Lebensmittel, Kinderspielzeug und Weiteres sind erfasst und können so über den Barcode überprüft werden. Probiert es gerne aus. Ihr werdet überrascht sein, dass auch namhafte Hersteller mit vermeintlich grünem Image, ihren Produkten gruselige Substanzen hinzufügen. An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass hier und da ganz langsam ein Umdenken einzusetzen scheint, was für die Zukunft hoffen lässt.

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Badschrank leer, und nun?

Sofern man das denn möchte, ist es möglich, dass Euer Badezimmerschrank nun nach einer kleinen Scannrunde mit deutlich weniger Inhalt vor euch steht. Und nun?

Ich habe mir an dieser Stelle überlegt, was ich denn tatsächlich überhaupt noch benötige und benutzen möchte. Anschließend habe ich mich auf die Suche nach möglichst verpackungsfreien Alternativen begeben und dies sind die Pflegeprodukte, die mich nun durch meinen Alltag begleiten:

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Mundhygiene

  • Eine Bambuszahnbürste, die sich wirklich nicht anders anfühlt als jede andere Zahnbürste aus dem Handel, mit dem Unterschied, dass diese im Anschluss an ihre Dienste einfach verrotten wird. (gesehen bei Amazon.de, heute unter dem Namen Sidco in vorteilhafter Großpackung erhältlich)
  • Zahnpasta wird ganz unkompliziert selbst hergestellt aus Produkten, die viele wahrscheinlich sowieso zu Hause haben. Man mischt in einem Glas 3 EL Kokosöl, 1,5 TL Natron mit 12 Tropfen Pfefferminzöl aus der Apotheke. Dieses Rezept nutzen wir bereits seit über 2 Jahren und der Zahnarzt hat keine Beanstandungen. Tipp: Das Kokosöl nicht schmelzen, da das Natron sonst einfach zu Boden sinkt und nicht gleichmäßig verteilt wird. Wir tragen die Paste einfach mit einem kurzen Stück Schaschlikspieß auf die Zahnbürste auf.
  • Zahnseide (nicht im Bild) gibt es von der Firma Vömel im Glasflakon aus Bio Baumwolle mit Bienenwachs zu kaufen. (gesehen zb. bei monomeer.de)
  • Eine Mundspülung kann man ebenso sehr leicht selber herstellen. Man löst einfach 1 TL Natron in 240 ml warmem Wasser auf und ergänzt wieder 5-10 Tropfen Pfefferminzöl für den frischen Atem.

Körperpflege

  • Sowohl die Hände als auch der ganze Körper wird bei uns mit einer Olivenölseife gereinigt. Wir achten bei allen Seifen (wie bei allen Produkten) grundsätzlich darauf, dass diese frei von Palmöl sind, da der Anbau dem asiatischen Ökosystem (und damit uns allen) erheblichen Schaden zufügt.
  • Männer mit kurzen Haaren benötigen in der Regel kein Shampoo, da fettige Strähnen ausbleiben. Hier reicht Wasser oder eben ab und an mal die gute Seife. Lange Haare hingegen fetten tatsächlich gerne mal, jedoch tun meine das erheblich weniger, seitdem ich kein konventionelles Shampoo mehr benutze. Alle 5 -7 Tage wasche ich meine Haare nun entweder mit Wascherde von Logona (aus der 1 kg Packung ohne Plastik, Dosierung steht bei) oder mit Roggenmehl. Hierzu löse ich 4 EL Roggenmehl in 230 ml lauwarmen Wasser mit einem Rührbesen auf und massiere es in meine Haare ein. Nach 5 Minuten spüle ich es wie gewohnt aus.
  • Wer noch eine Spülung für Glanz und Kämmbarkeit benötigt, bedient sich einfach an normalem Apfelessig, indem er 1-2 EL Essig in 1 Liter lauwarmen Wasser auflöst. Wichtig: Im Anschluss nicht ausspülen!
  • Bisher dachte ich nicht, dass die Wahl der Haarbürste so entscheidend ist, jedoch musste ich feststellen, dass meine Wildschweinborstenbürste wirklich herausragende Arbeit leistet. Durch sie streicht man den produzierten Talg in die Spitzen, die dadurch weniger austrocknen. Natürlich gibt es auch normale FSC zertifizierte Holzbürsten, die ich hier und da ebenso als Ergänzung nutze. Beide Produkte sind in fast jedem Drogeriemarkt erhältlich.
  • Ein gutes Deodorant darf im Alltag natürlich nicht fehlen. Wir benutzen derzeit einfach Natron (das neutralisiert jegliche Gerüche) aufgelöst in warmem Wasser (bis die Lösung gesättigt ist) und fügen noch ein paar Tropfen ätherisches Orangenöl hinzu. Aufgetragen mit einer Pipette (in der Apotheke erhältlich) ist es am einfachsten, da bei einer Sprühflasche die Öffnungen durch das Natron gerne verstopfen. Wer nicht stark schwitzt, kann einfach Kokosöl als Deo benutzen. Es hat eine antibakterielle Wirkung und riecht wunderbar.img_2835
  • Plastikfreie Enthaarung ist ebenso ein Kinderspiel. Es gibt die guten alten Rasierhobel mit Klinge in der Papierverpackung zu tatsächlich günstigeren Preisen, als die bunten Plastikrasierer. Das Rasierergebnis ist um Längen besser. (Ich liebe meinen Merkur 20 C mit Astra Rasierklingen im 100er Pack. Kommt alles in Papier zB. von Amazon und hält glaub ich für immer. Gesamtkosten: Rasierer um die 24 EUR, 100 Klingen ca. 10 EUR) Tipp: Wer den Rasierer nach der Benutzung auseinanderschraubt und zum Trocknen auf ein Stück Stoff legt, verlängert die Lebensdauer seiner Klingen. Auch eine alte Jeans verlängert die Schärfe der Klinge, indem man mit dem Rasierer die Hosenbeine entlang fährt.img_2161
  • Wer zu den Personen gehört, die bisher eine sehr trockene Haut hatten, kann sich eventuell über eine Veränderung der Haut durch die Umstellung zur Seife freuen. Ich gehöre diesem Personenkreis an. Seitdem ich an den entscheidenden Körperstellen Seife verwende und den Rest ausspare, ist meine Haut kaum noch trocken. Sollte ich trotzdem mal das Verlangen nach Körperlotion haben, verwende ich auch hier einfach Kokosöl. Es duftet wunderbar, ist leicht verwendbar, da es eher fest ist und erst bei Körperkontakt schmilzt und macht wunderbar weiche Haut.
  • Für meine Nagelpflege reicht mir ausschließlich eine Pfeile und ein Knipser aus meiner hiesigen Apotheke. Die Nagelhaut zurückschieben kann man wunderbar nach dem Duschen mit der Pfeile oder nach einer Pflege mit Kokosöl.
  • Ohrhygiene: Hier gibt es inzwischen wunderbare Ohrstäbchen aus Bambus und Biobaumwolle von Hydrophil. Diese kommen ebenso in einer Papierverpackung daher und sind inzwischen in Biomärkten anzutreffen.

Das stille Örtchen

Das ideale Toilettenpapier wäre für mich ein 2 lagiges Recycling- Papier, dass auch eine Recycling- Papier Verpackung hat. Wer wissen möchte, wieso ich das behaupte, kann sich diese sehr schöne 5 minütige Doku dazu ansehen: http://www1.wdr.de/verbraucher/wohnen/toilettenpapier-100.html

Leider bin ich hier jedoch noch nicht fündig geworden, daher unterstütze ich bisher das Projekt von 2 jungen Unternehmern, die auf Bambuspapier setzen, da es wesentlich schneller nachwächst als unsere hiesigen Bäume. (www. smoothpanda.de) Da hier natürlich noch ein Transportweg hinzukommt (hat das Rohöl, welches benötigt wird um Plastikverpackungen herzustellen jedoch auch), ist es noch nicht die ideale Lösung. Für mich derzeit jedoch die Nummer 1.

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Tipp: Die Kerne der Rollen sind so stabil, dass man daraus wunderbar Kabelordner machen kann.

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Frauensache

Eigentlich verdient die kommende Entdeckung eine ganze Plakatwand mit Musik, Leuchtreklame und Konfetti, da sie mein Leben entscheidend verändert hat. Die Menstruationstasse ist die für mich mit Abstand beste Alternative zu herkömmlichen Tampons und Binden. Nicht nur, dass sie bereits nach 6 Monaten in Benutzung seiner Besitzerin bares Geld spart (einmalige Anschaffungskosten: ca. 25 EUR), sie spart auch eine erhebliche Menge Müll. Da sie aus medizinischem widerstandsfähigem Silikon gefertigt ist, kann sie mindestens 10 Jahre benutzt werden. Während der Periode wird sie einmal morgens und abends entleert und mit Wasser ausgespült. Ist die Periode vorbei, wird sie einfach mit Wasser ausgekocht. Ich füge hier jedoch gerne noch eine Zitrone zur antibakteriellen Wirkung hinzu und reibe sie mit Wodka ab. So hat man das ultimative Sauberkeitsgefühl. Danach wartet sie in einem Baumwollsäckchen auf ihren nächsten Einsatz.

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Insgesamt birgt sie wirklich nur Vorteile. Nie wieder zu wenig Tampons oder Binden dabei haben, da man sein Equipment im wahrsten Sinne des Wortes mit sich trägt. Auch kann die Tasse einfach 1-2 Tage vor der Periode benutzt werden, um so eine Überraschung zu vermeiden. Hier sollte man einfach offen sein und darauf vertrauen, dass es keinen Unterschied im Vergleich zur Verwendung eines Tampons gibt. Es ist weder ekelig noch unhygienisch, ganz im Gegenteil. Die Geruchsbildung bleibt aus (auch die im „Bindeneimer“ im Bad, juhu), ebenso wie ein eventuell Urin getränktes Bändchen. Hat sich das Vakuum richtig gebildet, geht absolut nichts daneben. Dies konnte ich nicht immer von einem Tampon behaupten. Viele Frauen berichten sogar davon, dass Menstruationskrämpfe sich wesentlich verbessern oder sogar ganz verschwinden. Das kann ich nur bestätigen. Mein Körpergefühl hat sich insgesamt wesentlich verbessert und würde ich die Menstruationstasse nicht ab und zu entleeren müssen, würde ich nichtmal mehr mitbekommen, dass ich meine Periode habe. Das erfreuliche ist: Inzwischen entdecke ich sie immer mehr in Biomärkten. (zb. die Lunette, die in verschiedenen Farben erhältlich ist und eine Papierverpackung hat)

Als Alternative zu den üblichen Binden (die übrigens wie Tampons Mineralöl enthalten), gibt es inzwischen Baumwollmodelle in allen möglichen Farben. Diese findet man häufig auf Internetseiten, die auch Menstruationstassen anbieten. Ich besitze ein Slipeinlagenmodell von lunapads.de, welches ich ab und an an Tagen mit normalem Ausfluss benutze. Mit Gallseife eingerieben kommt sie einfach in die 60 Grad Wäsche und sieht noch heute aus wie neu.

Geschafft

Ich hoffe, dass der ein oder andere in diesem Beitrag einen guten Überblick findet und freue mich wie immer über Fragen, Anregungen, Lob oder auch gerne Kritik. Natürlich kann ich hier nicht alle auf dem Markt erhältlichen Produkte erwähnen und stelle daher nur kompakt die vor, die uns in den letzten 2 Jahren überzeugt haben.

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Ein Gedanke zu “Spieglein, Spieglein…

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